Klarmachen zum Ändern!

Danke

Vor rund 24 Stunden stand es fest. Amtlich, wenn auch nur vorläufig: Piraten 1,9%, für Zahlen-„Fetischisten“ gern auch 1,926%.

Ernüchterung bei all jenen, die mehr erhofft hatten. Erleichterung bei jenen, die mit weniger gerechnet hatten. Bestätigung bei Vorausahnenden und Menschen, die in die Zukunft blicken konnten.

Auch ich hielt seit Mitte Juli 2009, als ich das erste Mal von einer Journalistin nach einer Prognose gefragt wurde, 3% für machbar, alles darüber hinaus für nicht unwahrscheinlich. Letztlich Spekulationen, die seit gestern einen „Realitätscheck“ erfahren haben. Und das ist gut so.

Hinter 1,9% stehen bei einer Wahlbeteiligung von 52,2% (3.509.195 Wahlberechtigte, 1.797.134 gültige Listenstimmen) genau 34.620 Menschen, die ihr Kreuz bei den Piraten Sachsen gemacht haben. All diesen sei an dieser Stelle gedankt, denn ohne Wähler keine Existenzberechtigung für die Piraten Sachsen. Ohne Wähler wären die rund 100 Aktiven nur ein paar über Sachsen verstreute Selbsthilfegruppen-ähnliche Aktivisten, die glauben, dass ihre Anliegen auch andere Menschen interessieren müssten/sollten/könnten.

Dennoch … Landtagswahlen finden nur einmal in fünf Jahren statt, zumindest momentan. Die restlichen 95-99% der Tage zwischen den Wahlen spielen Parteien, insbesondere kleine, eigentlich keine große Rolle im Bewusstsein der Bevölkerung. Warum auch? Den Alltag kann jeder nur selbst gestalten, auch wenn die Politik auf den Ablauf desselben einen mehr oder großen Einfluss nimmt. Ob Landesbank, Schulen, Bildung, Arbeitsplätze … das was da im Landtag besprochen, bearbeitet und beschlossen wird, hat einen Einfluss auf das persönliche Leben eines jedes Einzelnen - jeden Tag.

Insofern kann es nur gut sein, wenn jeder „Pirat in eigener Sache“ wird. Sei es zunächst als „Protestpirat“, dem dieses oder jenes nicht gefällt, was da momentan so in unserer Gesellschaft vor sich geht (und da gibt es sicher einiges). Irgendwann wird aus dem „Protestpirat“ ein „Pirat im Herzen“, der selbst Dinge verändern möchte statt allein auf die große Politik zu bauen. Die Arbeit beginnt im eigenen Umfeld. Informationen liefert der persönliche Austausch, das Internet, mitunter die etablierten Medien. Wer wirklich etwas verändern möchte, wartet nicht bis 2014, bis zur nächsten Landtagswahl, sondern fängt heute an … in „aktiver Entspanntheit“ sozusagen.

In diesem Sinne … allen alles Gute und „Augen auf und durch“

Michael Winkler (ehem. Kandidat für die Piraten Sachsen bei der LTW 2009)

Link: Danksagung auf Homepage der Piraten Sachsen

3 Kommentare bisher »

  1. brojon sagt

    am 2. September 2009 @ 01:11

    Hallo Michael & Co,

    da ich aus einer Dependance komme, in der locker die 10 % getoppt wurden und Orange-grün die absolute Mehrheit hat, kann ich erstmal deine leicht verhaltene Enttäuschung nicht so richtig nachfühlen und finde eher die Frage spannend wann und wo wir deine angekündigte Elbüberquerung genießen können.

    Fast bin ich beleidigt: Nimm doch, was und wen du kriegen konntest; hol die Piraten dort ab, wo sie sind, und lass dich als ersten Vizekanzler der Bunten Republik feiern. Wo gibts denn sowas - eine Newcomer-Crew kommt in ihren Zentren von null auf zehn oder vierzehn Prozent und spricht nicht mal darüber in ihrer Wahllaudatio. Das war ein krachender Erfolg und ich will, dass die Welt das liest und basta. (sic! vom Gegner lernen)

    Macht mal jemand Wahlanalyse mit?

    Vielleicht unsystematisch ein paar Gedanken so:

    Im Freistaat sind die Piraten in Leuchttürmen versammelt. Das müssen wir nehmen wie es ist, und bei näherem Hinsehen ist das ein Superansatz. Zumal für Piraten ;-)

    1990/94 fand ich den ollen Biedenkopf richtig zum Brechen mit seinen Investitions-Leuchttürmen in der Ost-Wüste. Wir wollten damals lieber so fröhlich gartenzwergartig Gießkanne (war damals linkslastig). Heute muss ihm der Neid lassen - das war eine Variante.

    Also rauf auf die Leuchttürme. Entern wir die Großstädte bzw. die richtigen Viertel. Leuchttürme müssen Leuchtfeuer tragen. Machen wir hier richtig Party.

    Zweitens - ich las täglich beim Vorbeifahren ein Plakat “für ein neues Urheberrecht”. Das ist natürlich eine ideale Losung für einen Landtagswahlkampf :-S

    M. a. W.: Piraten konnten nur Überzeugungstäter wählen. Die anderen 98 % haben gemerkt, dass Null landespolitische Themen da waren. Die Leute wollen bei Landtagswahlen sehr viel bewusster Kietzthemen, als wir vielleicht dachten. Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Für einen Landtagswahlkampf, möchte ich behaupten, hat zzt. noch kein Landesverband ein Konzept. Wer es mit Schäuble und Zensursula aufnehmen kann, ist noch lange nicht fit für Sachsen-Sumpf, Fragebogen-Merkwürdigkeiten und lustige Zufälle bei der Ausschreibung von Striezelmärkten, um nur mal das Thema Transparenz zu streifen. Also auf in die Gemütlichkeit der sächsischen Lokalthemen. Wenn die Bundestagswahl vorbei ist, meine ich.

    Übrigens, der große Ansatz vom Weltdorf ist ok. Den sollten wir uns nicht kaputt machen lassen durch allzu eifriges und schnelles Eingehen auf fremde Spielregeln und auf das übliche klein-klein der anderen Parteien. Das braucht Zeit und da sollten wir auch nicht ungeduldig sein. Mit B. Brecht selig sollten wir auch weiterhin akzeptieren, dass es eine Reihe von Fragen gibt, auf die wir (noch) gar keine Antwort haben.

    Drittens, wer die Zählung so den Wahlabend über peu a peu mitverfolgt hat, der sah dass wir über die Fläche konstant bei 1 % liegen. Das ist sozusagen unsere dunkle Materie des sächsischen Weltalls, der Beweis dass das Internet existiert. Da braucht es nur Zündfunken, lokale Netzwerke, Mit-Reden, Wortmeldungen, Themenseiten, Probleme öffentlich machen, Personen sichtbar machen, Informationen verbinden, einfach Licht einschalten. Lokal. Siehe Punkt zwo. Die Voraussetzungen sind da. Wir müssen sie nur wahrnehmen.

    Viertens, der Osten lebt. Nur mal zur Erinnerung. Hier gibt es alte Seilschaften, eine Menge “wiewaresfrüher”-Leute, es gibt mit gewissen Plakaten zugepflasterte Straßen, leere Landstriche und Kleinstadtfeste, auf denen ein einzelnes verirrtes Kind rumläuft und ansonsten der jüngste Teilnehmer fünfzig ist.

    Das Netz ist aber überall gleich. Eigentlich ein idealer Boden für eine Prise Salzluft und Freiheit der Meere. Ich hab nur noch kein Patentrezept.

    Letztens, die Startschwierigkeiten nicht auslatschen. Super was die sieben Leute geschafft haben. Das oben erwähnte Plakat war eines von dreien, die ich überhaupt sichten konnte. Wahnsinn, wie das unter diesen bescheidenen Voraussetzungen gelaufen ist. Das war so wie es war, und in fünfzig Jahren kriegt ihr dafür mal eine persönliche Lan Party. Die Fehlentscheidung mit der Bundestagswahl war genau richtig, denn dadurch habt ihr den ersten Landtagswahlkampf der Piratengeschichte geschultert. Das sollen die andern im Bund jetzt mal nach-entern. Wir kommen nicht nur von einer Seite.

    Und jetzt, wie gesagt, ab in die Elbe.

    brojon

  2. Michael Winkler sagt

    am 3. September 2009 @ 12:31

    Hallo brojon,

    ich hatte ja gehofft, dass das mit dem Elbegang untergeht sozusagen ;) … Hmm, dem aufmerksamen Piraten-Leser entgeht also nichts. Tja, was mache ich da nun? … allein gehe ich da nicht rein, dann schon Presse einladen (ganz gleich ob die kommt oder nicht ;)) … ich sag’s mal so: nächste Woche, Freitag … bis dahin kann ich mir ‘ne nette PR-Sache überlegen und dann habe ich auch eigene Wahl-Analysen und die LTW-09-Sache soweit fertig.

    Beim Lesen deiner Worte sehe ich genau die “innere Zerrissenheit” wie bei vielen Piraten. Klar, sind 1,9% prächtig und in manchen Stadtbezirken waren es mal “schlappe” 12,9%. Das gibt’s nicht alle Tage. Und was den meisten während des Wahlkampfes aufgefallen ist, war das ausnahmslos alle Parteien (außer NPD, glaube ich) die Piraten entweder abwerteten oder “umwerben” (abwerben) wollten. Wer abwertet hat Angst, wer abwerben will, der will ausnutzen. Beides nicht sonderlich gut … und während das erste den Piraten eher nützt, schadet das zweite … Insofern ist in Zukunft bei Kooperationen (nicht Koalitionen !) mit anderen Parteien, die unabdingbar sind, darauf zu achten, ob es sich hier um Kooperation bei Sachthemen oder ein Abgraben der Kräfte handelt. Machen wir uns nichts vor, 90% der Politik geht nunmal über PR und Öffentlichkeitsarbeit. Mal etwas plakativ: wen interessiert schon das Thema Bildung, wenn er keine Arbeit hat. Ich möchte damit nicht pauschalisieren, doch das Hemd ist eben meist näher als die Hose. Eine Stimmung zählt meist mehr als Fakten.
    Und da können auch die Piraten nur lernen … die Piraten sind eine Partei, die mit dem Internet groß geworden ist, zum Großteil. Jeder, der weiß wie man surft ;), weiß, dass im Internet viel Rauschen ist … und so ist das bei den Piraten ebenso. Das ist auch kein Problem, so lange sich das Rauschen immer mal wieder in handfeste Arbeit auswirkt. Und da ist jeder Mensch gefragt - nicht nur die Mitglieder oder Kandidaten oder oder …

    Man kann die Menschen nur dort abholen, wo sie schon sind - ganz richtig, brojon. Da kann man von Firmen und anderen Parteien lernen. Nur funktioniert das nicht mit Halbwahrheiten, das trägt nur noch mehr zu Verwirrung bei.

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass knapp 35.000 Stimmen immerhin eine Kleinstadt sind und das ist in der Tat beachtenswert. Gleichwohl schwebst du - als Kandidat - eine ganze Zeit im “Wir schaffen die 5%”-Gefühl mit, obwohl du auch immer im Hinterkopf hast ‘Und wenn’s weniger ist, ist auch gut.’ …
    Ich sage auch nicht zuviel, dass die Kritik aus den eigenen Reihen vor den Wahlen, wenn man nicht sofort an die 5% “glaubte”, nicht ganz unbeträchtlich war. Da gibt es eine Menge “Träumer” und das hat auch nichts mit Idealismus zu tun, denke ich, sondern mit “Wir wollen die Piraten im Landtag, damit die etwas ändern - ganz gleich wie.” … Jeder, der einigermaßen, weiß, was parlamentarische Arbeit ist, der weiß, dass vier Piraten von 120 Landtagsabgeordneten nicht viel machen können. Selbst die Linke ist in vielen Fragen machtlos, trotz 20+% … die schärfste “Waffe” der Piraten ist und bleibt Transparenz. Der Bürger sollte erst einmal erfahren, was wirklich abgeht …

    Auch auf die Gefahr hin, dass der Nichtwähleranteil dann noch höher als bei 47,8% liegen wird ;)
    Oder es werden mehr Piratenwähler? … wir werden es sehen.

    Alles Gute und die Elbe bekommt mich nun bald zu sehen, vermute ich … Micha(el Winkler).

  3. Versuche einer Wahlanalyse - Teil 2 und Schluss » Piratenpartei zur Landtagswahl in Sachsen sagt

    am 15. September 2009 @ 00:06

    [...] bereits in der Danksagung angesprochen, macht Sachsen wesentlich mehr als seine drei Großstädte und da konnte personal-, [...]

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