Dresden 1 : Nazis 0
Hier ein kurzer Bericht über den gestrigen Abend in Dresden, der
verdeutlichen soll wie es laufen kann, wenn alle Demokraten an einem
Strang ziehen.
Ich kam gegen 18:45 am Theaterplatz (unmittelbar vor dem Zwinger und der Semperoper) an, wo sich schon ein buntes Völkchen locker um das für den Nazi-Totenkult auserkorene Johann-Denkmal verteilte.
Die mitgeführte Piratenflagge erregte schon von weiten Aufsehen, und mir völlig fremde Menschen begrüßten mich mit Ausrufen der Sympathie für die PIRATEN, dass es mir fast schon peinlich war. Aber eben nur fast.
Schnell packte ich das mitgebrachte Werbematerial aus, und besonders
unsere Aufkleber fanden reissenden Absatz.
Nachdem mir von mehreren Anwesenden glaubhaft versichert wurde schon per Briefwahl die PIRATEN gewählt zu haben, und ich nur mit Mühe einige besonders enthusiastische Fans davon überzeugen konnte, dass die Piratenflagge wirklich eine Leihgabe ist (Danke, Arne!) und dieses Exemplar definitiv unverkäuflich sei, wurde ich darüber informiert, dass wenige Minuten vor meiner Ankunft ein Autokorso mit dem Anschein nach der rechten Szene zu zuordnenden Passagieren den Theaterplatz umrundet, diesen aber Richtung Landtag wieder verlassen hätte.
Die mit mehrern Mannschaftswagen deutlich präsente Polizei beobachtete aus der Distanz das Geschehen und machte jederzeit den Eindruck die Lage voll im Griff zu haben.
Die von einem demokratischen Bündnis angemeldete Demo begann gegen 19:00 auf der Augustbrücke, in Sichtweite des Theaterplatzes, wo ich mich dann auch pünktlich zum 2. Redner einfand.
Dabei waren DGB, Linke, SPD, Julis, Grüne, PIRATEN und.. man glaubt es kaum.. die Junge Union.
Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Systeme und Systemvergleiche an der TU-Dresden betonte den demokratischen Standpunkt, dass die Meinungsfreiheit zwar zu respektieren ist, aber nicht jede Meinung unwidersprochen hingenommen werden darf.

Etwas befremdet, aber nicht völlig überrascht nahm ich zur Kenntnis,
dass sich einige der Demoteilnehmer ernsthaft darüber wunderten, dass
die PIRATEN an dieser Demo teilnehmen. Einige junge Frau sagte mir sie
hätte uns eher auf der anderen Seite vermutet. WTF.
Glücklicherweise konnte ich sie unter Hinweis auf unsere Satzung recht
schnell davon überzeugen, dass wir faschistische und totalitäre
Bestrebungen strikt ablehnen.
Trotzdem wurde ich insbesondere von der linken Jugend (solid) noch mit teils heftiger Kritik belegt, die die mangelnde öffentliche Abgrenzung zu Revisionisten und Nazis zum Inhalt hatte. Überreichte Flyer wurden von dieser Gruppe entweder garnicht erst angenommen oder demonstrativ ungelesen fallen gelassen.
Sei’s drum, man kann es nicht jedem recht machen.
Der grüne Landtagsdirektkandidat Lichdi belehrte mich nach einer wenig
respektvollen Begrüßung seinerseits dann noch über die angebliche
Tatsache, daß Parteiwerbung auf Bündnis-Veransaltungen ein NoGo sei, das ich zu unterlassen habe.
Trotz der zahlreich präsentierten Parteifahnen z.B. auch der Grünen,
respektierte ich dies und stellte zumindest die Flyerverteilung umgehend ein.
Es wurden noch angegammelte Äpfel verteilt, die dann symbolisch zm
Abschluß der Demo in der Elbe versenkt wurden.
Die zahlreichen Möwen hat’s gefreut.
Pünktlich zur Versammlungsauflösung und dem geplanten Beginn des
Nazi-Blitzmobs öffnte der Himmel dann seine Schleusen, als ob das große Spaghettimonster höchstpersönlich den Nazis seine Aufwartung machen wolle.
Die Demo löste sich darauf hin schneller als erwartet auf, und die Teilnehmer verschwanden in Richtung Schloßhof, weg vom Theaterplatz.
Alle Teilnehmer?
Nein!
Eine recht große Gruppe wind- und wetterfester Piraten und Freibeutern kaperte spontan das Johann-Denkmal und trotz sintflutartigem Wolkenbruch und Windstärke “gefühlt zweistellig”, wehte pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt vom für den Nazi-Totenkult auserkorene Denkmal statt braunen
Gestank - die Piratenflagge!
Dresden 1 : Nazis 0
Die nun doch noch verspätet und in kleinen Grüppchen anrückenden Hess- und Hass-Liebhaber machten ob der zig-fachen Übermacht auf dem Absatz kehrt und verkrümelten sich dahin wo sie hergekommen waren.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Ein recht kräftiger, schwarz-uniformierter Glatzkopf pöbelte herum und
verpasste einem der unseren einen Tritt dahin wo es richtig weh tut.
Die sehr aufmerksame Polizei schritt sofort ein und nahm den Täter und
seinen Begleiter umgehend fest:
Alles in allem war es eine gelungene Aktion, auch wenn ich einen Moment lang wirklich Mühe hatte die ebenfalls anwesenden, potentiell
gewaltbereiten Antifas davon abzuhalten, den Nazis als Retourkutsche für die begangene Körperverletzung eine Tracht Prügel zu verpassen.
Danke an alle die da waren, und gute Besserung an das einzige Opfer des Abends.
Möge die Macht mit Euch sein.
gruuß
midas

























martin sagt
am 18. August 2009 @ 15:13
Also die Piraten in Augsburg zumindest einige sind mit der links solid Jugend hier recht dicke. Man versteht sich unterstütz die jeweils andere Veranstaltung (gut die letzte LinksSolid Veranstaltung hab ich schlicht verpennt -.-)
Vertreter der Links solid Jugend waren letzten Sonntag auch bei der Gründungsversammlung des Bezirksverbands Schwaben.
In Augbsurg trauen sich die Nazis auch nicht mehr aufzutauchen, nachdem sie bei der letzten Anti-Nazi Demo von über 2000 Gegendemonstranten begrüßt wurden
(ca. 100 Nazis waren anwesend Großteil aus anderen Bundesländern)
Hbb sagt
am 18. August 2009 @ 17:21
Das Video mag die Situation nur unvollständig wiedergeben. Ich sehe keinen Sinn darin, sich unter der Fahne der Piratenpartei Straßenschlägereien zu liefern oder sie zu provozieren.
Mirco sagt
am 18. August 2009 @ 17:35
@Hbb
Das Video gibt die Situation nur unvollständig wieder, richtig.
Worin Sie allerdings eine Strassenschlacht oder gar deren Provokation erkennen wollen ist mir ein Rätsel.
Im Gegenteil, ich habe deeskalierend auf die nicht ohne Grund empörte Menge eingewirkt, auch wenn dies aus der gezeigten Einstellung nicht deutlich wird. Der Text gibt das allerdings unmißverständlich wieder.
Mirco sagt
am 18. August 2009 @ 17:39
@martin
Die Situation war von Gruppendynamik geprägt. Nachdem die ersten 2-3 abgelehnt hatten, trauten sich die anderen wohl nicht mehr zu zugreifen. Und einen der das noch toppen muß um sich zu beweisen ist ja immer dabei.
Ich sehe das nicht so dramatisch, und habe die Aufkleber der Links-Jugend (”Kein Bock auf…”) höflich entgegengenommen. Zum Überkleben von Nazi-Spuckis taugen die allemal.
mitglied sagt
am 18. August 2009 @ 18:13
ich hoffe man sieht dich auch mal auf einer demo gegen links? diese antifascheiße in der piratenpartei nervt schon wieder
fly-soft Blog » Blog Archive » Dresden 1:0 Nazis sagt
am 19. August 2009 @ 15:48
[...] Wie in anderen Staedten auch, haben die Nazis in Dresden am Montag einen ihrer Totenkult-Flashmobs veranstaltet. Das ging allerdigs ein wenig in die Hose, mehr dazu gibt’s im Landtagswahlblog der Piratenpartei Sachsen. [...]
Andreas sagt
am 19. August 2009 @ 17:40
Na toll, noch eine Antifaspinnerpartei mehr. Jetzt werden die wählbaren Parteien noch knapper.
Kee-Mikaze sagt
am 21. August 2009 @ 17:01
Btw: Der Herr auf dem Foto, welcher die netten Worte ins Megaphon sprach, ist Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Systeme und Systemvergleiche. Er ist einer von den spärlich gesäten guten Lehrkräften an der TU-Dresden.
Grüße
Kee
Mirco sagt
am 21. August 2009 @ 19:35
@Andreas @mitglied
Ich demonstriere grundsätzlich nicht gegen rechts oder links, sondern für geradeaus.
An friedlichen Aktionen für Freiheit und Demokratie beteilige ich mich folglich immer wieder gerne.
So auch am Montag.
Am Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit möchte ich mitwirken.
Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehne ich entschieden ab.
Wenn ich deshalb als “Antifaspinner!” beschimpft werde, nehme ich dieses Schmähwort genauso gerne an wie das andere: “Piraten!”.
Nur eine Partei würde ich nicht auch danach benennen.