Da saß ich gerade auf dem Balkon, hörte Blondie’s „The Tide is high“ von einem gegenüberliegendem Haus herüber klingen und dachte ‚So, jetzt schreibt’s du besser gleich auf.’ Auch wenn die Elbe keine Gezeiten hat, hatte es sich stellenweise so angefühlt.
Es waren keine vier Stunden vergangen, nachdem ich meine Worthalte-Aktion an der Elbe hinter mich gebracht hatte. Die Aktion hieß „Elbedurchschwimmen“, die “Location”: Dresden’s wohl bekanntester Ort 2009, das Areal am Waldschlösschen. Meine Strecke war schätzungsweise 70-80 Meter Luftlinie lang, davon konnte ich etwa 20-30 Meter laufen. Blieben also zwischen 40 und 60 Metern, sagen wir mal 50 Meter. Zu diesen 50 Metern kamen nochmals rund 50 Meter Strömung dazu, würde ich meinen. Nach dem Satz des Pythagoras waren es rund 70 Meter … und das zweimal.
Ich war „pünktlich“ 16:03 Uhr (oder so) am Elbufer angekommen, vor und mit mir zwei Piraten … die Sonne lachte. Spitzenwetter sozusagen. Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass keiner kommen würde, denn allein hätte ich das nicht gemacht. Wer schwimmt schon so als Spaß für sich allein durch die Elbe? Beweisen brauchte ich mir eigentlich auch nichts. Doch da war noch dieses imaginäre Wahlversprechen. Also, Sachen aus und los ging’s …

Noch sorgloser, wenn auch etwas skeptischer Blick ... was sind schon 50 Meter Schwimmen?
Das Wasser war gar nicht so kalt wie erwartet, doch warm war es auch nicht gerade. Die Hinstrecke erwies sich als recht einfach, doch die letzten Meter merkte ich eine geringfügige Erschöpfung. Ich war lange nicht mehr schwimmen gewesen, schon gar nicht in einem Fluss. Das andere Ufer erreichte ich verhältnismäßig zügig, hatte jedoch keine Ahnung, dass es um die 1:30 min gewesen war. Beim Schwimmen hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren.

Beim Reingehen ...
Drüben angekommen warteten zwei Passanten und als ich ihnen erklären wollte, warum ich das mache, erwiderten sie, dass sie bereits in der Mailingliste der Piraten davon gelesen hatten. Für den Rückweg lief ich etwas elbaufwärts, um bei Einberechnung der Strömung wenigstens einigermaßen am Startpunkt wieder rauszukommen. Nach schätzungsweise fünf Minuten Pause ging’s wieder zurück. Dieses Mal startete ich schneller, merkte jedoch in der Mitte des Flusses, dass ich erheblich langsamer wurde. Ich hatte keine Ahnung, ob es besser war, einfach schneller oder länger zu ziehen, jedenfalls kam ein Punkt, an dem ich dachte, ich treibe wieder zurück in die Flussmitte. Eigentlich wollte ich nur noch ans Ufer und ich überlegte, ob ich mit Kraulen beginnen sollte, entschloss mich jedoch dann mal versuchsweise meinen Fuß auf den Boden zu bekommen. Und siehe da … die Wassertiefe war vielleicht noch 1,30 Meter. Geschafft.

Geschafft, aber ...

... glücklich
Ich glaube, ich war heilfroh und spüre die Anstrengung bzw. wohl vielmehr den Adrenalin-Ausstoß jetzt noch. Alles in allem Anlass für ein Fazit, das stichpunktartig so aussehen könnte:
- zweimal durch die Elbe zu schwimmen war eine Sache, über die ich froh bin, sie getan zu haben, doch ich würde es nicht häufiger tun wollen
- diese rund 3-4 Minuten im Elbwasser waren anstrengender als drei Monate Wahlkampf mit bzw. bei den Piraten und in Sachsen überhaupt … insofern kann ich das nur allen empfehlen, allerdings nur mit vorheriger Vorbereitung (ich hatte nahezu Null, doch eben auch nahezu Null Angst
) und nicht allein
- ich werde mich in Zukunft mit Wahlversprechen zurückhalten – wohl gut, wenn man diese Lektion lernt, bevor man irgendwann in die „Verlegenheit“ einer Machtposition kommt
- Presse war keine da, war jedoch auch nicht nötig … Fotos und Videos haben andere dankenswerterweise machen können und schreiben kann ich selbst
Last but not least, möchte ich insbesondere den vier anwesenden Piraten bzw. Piraten-Sympathisanten (habe sie nicht nach ihren Parteibüchern gefragt
) danken, dass sie mich unterstützt haben.
Achja, und ohne dass ich es wusste, kam ich zirka fünf Minuten vor „Leipzig“ ins Ziel … diesen Zweikampf hätte ich auch auf jeden Fall nicht gewonnen.
So weit, so gut … „Sport frei“ und allen alles Gute, Micha.

Die "Leipzig" mag zwar stärker sein, kam jedoch fünf Minuten nach mir ins Ziel ;)